Arbeiten mit Ton

Ton, Kreativität und Gemeinschaft – Projekttage „Plastizieren" mit den Klassen 5 und 6

Drei Tage, ein Material, unzählige Entdeckungen: Bei unseren diesjährigen Projekttagen haben sich Schüler:innen der 5. und 6. Klasse ganz dem Werkstoff Ton gewidmet. Unter dem Projekttitel „Plastizieren" sind nicht nur beeindruckende Kunstwerke entstanden – die Kinder selbst haben sich auch ein Stück besser kennengelernt.

Ein gemeinsamer Start

Bevor die Hände in den Ton tauchten, stand zunächst das Miteinander im Vordergrund. Mit einem Kennenlernspiel haben wir den Raum geschaffen, damit sich die Kinder vertrauter werden und offen in die gemeinsamen Tage starten konnten. Denn in der Waldorfpädagogik wissen wir: Gemeinsames Arbeiten braucht Vertrauen – in sich selbst und in die Gruppe.

Ton in all seinen Facetten

Danach ging es direkt ans Entdecken. An verschiedenen Stationen lernten die Kinder Ton in seinen unterschiedlichen Konsistenzen kennen – von trocken zu flüssig und weich, bis hin zu lederhart und fest. Sie malten mit flüssigem Ton, raspelten trockene Brocken und kneteten weiche Massen. So bereiteten sie alten Ton neu auf, um im Anschluss damit zu arbeiten. Diese sinnliche Auseinandersetzung mit dem Material ist ein zentrales Element waldorfpädagogischer Konzepte: Kinder begreifen – im wahrsten Sinne des Wortes – durch Erleben.

Nach einer gemeinsamen Frühstückspause starteten wir in den ersten großen Tonprozess: Jedes Kind bedeckte eine kleine Holzplatte mit Ton und gestaltete zum Thema „Wellen" eine ganz eigene Interpretation. Anschließend wurden je drei bis vier dieser Platten zusammengeschoben – und aus Einzelwerken wurde Gemeinschaftskunst. Die Kinder gestalteten ein gemeinsames Bild und erlebten dabei hautnah, was es bedeutet, wenn Grenzen fließend werden: Was passiert mit mir, wenn jemand in meinen Bereich hineingestaltet? Was löst das aus? Diese Fragen begleiteten den Prozess – und die entstandenen Werke spiegelten die Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes auf wunderbare Weise wider.

 

Tiere, Schulräume und Fantasiewelten

Am zweiten Tag widmeten wir uns der Plastik: Die Kinder formten Tiere durch das schrittweise Hinzufügen von Ton. Wir betrachteten gemeinsam Muskelstränge, überlegten, wie Körper aufgebaut sind, und ließen ganz individuelle, lebendige Tierfiguren entstehen.

Am Nachmittag folgte ein besonders berührender Prozess: Auf einer großen gemeinsamen Fläche gestalteten alle Kinder zusammen zum Thema „Schule". Die Leitfrage lautete: Was brauchst du, um dich in der Schule wohlzufühlen? Die Antworten in Ton waren vielfältig, kreativ und zutiefst ehrlich. Wir begegneten uns wertschätzend, hörten aufeinander und schufen gemeinsam etwas Einzigartiges.

Den Abschluss bildete am dritten Tag das freie Gestalten: Fantasiefiguren und -tiere wurden zunächst gemalt und dann plastiziert. Jedes Kind durfte seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen – ein krönender Abschluss dieser intensiven, schöpferischen Tage.

Mehr als ein Kunstprojekt

Die Projekttage „Plastizieren" haben gezeigt, was künstlerisches Arbeiten in der Waldorfschule leisten kann: Es schafft Raum für Selbstwahrnehmung, Gemeinschaft und Kreativität. Die Kinder haben nicht nur mit Ton gearbeitet – sie haben sich selbst und ihre Mitschüler:innen auf eine neue Art kennengelernt. Und das ist vielleicht das schönste Kunstwerk von allen.

Text und Bilder: M. Strotkötter

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