Englisch

Übergeordnete Aspekte und allgemeine Bildungsziele

In den ersten drei Schuljahren werden die Kinder mündlich, zunächst ganz nach dem Prinzip der Nachahmung, aus dem Hören und Sprechen heraus angeleitet. Lieder, Spiele, Reigen, einfache Gedichte und in Fortsetzungen erzählte Geschichten vermitteln Klang und Rhythmus der englischen Sprache. Kleine Gespräche in der Fremdsprache verhelfen jetzt schon einzelnen Kindern zu einem aktiven Gebrauch des Wortschatzes. Am Ende des 3. Schuljahres kann das englische Alphabet eingeführt werden. Einen wichtigen Platz nehmen in der gesamten Unterstufe Spiele (games) ein. In ihnen geben sich die Kinder völlig an die Tätigkeit und die damit einhergehende sprachliche Aktivität hin. Eine große Vielfalt von sprachlich komplexen, aber doch phantasievollen Erlebnissen erlauben Kindern unbewusst einiges an Grammatik und Wortschatz zu erwerben. Sie baden in der Sprache mit allen Sinnen!

Lautes Vorlesen wird zu einem Bestandteil des mündlichen Übens. Die Aussprache, der Wortschatz und die Schreibweise der englischen Sprache werden in steigendem Maße an die Schüler:innen herangebracht. 

Die Vermittlung der richtigen Aussprache erfolgt durch Nachahmung. Übungen mit Hilfe von «tongue twisters» schulen das Gehör und die Sprechwerkzeuge. Besondere Aufmerksamkeit gilt der richtigen Sprachmelodie. Ausspracheübungen sollten auch in Verbindung mit Rechtschreibübungen stehen.

Stufenweise werden erst der Gebrauch und dann schrittweise das Verständnis grammatischer Formen und ihrer Anwendung erarbeitet. […]

Der Wortschatz wird erworben durch das Hören von Geschichten, die Beschreibung des räumlichen und zeitlichen Umfeldes, durch Spiel, wiederholtes Lesen und Rezitieren (Chor und einzeln), durch das Auswendiglernen von Gedichten, Liedtexten, kurzen Prosastellen sowie durch kurze szenische Darstellungen von auswendig gelernten und dann erweiterten Dialogen. Die Erschließung von Texten geschieht anhand von Fragen (gestellt von der Lehrperson oder von Schüler:innen) und durch Umsetzung dieser Texte in Gespräche oder szenische Darstellungen. Dazu kommen Spiele, Bild- oder Sachbeschreibungen (z. B. einfache Kochrezepte, Gebrauchsanweisungen, Wegbeschreibungen nach Kartenskizzen), Berichte über Erlebtes und Gelesenes, Nacherzählungen oder kurze vorbereitete Vorträge. Die Lektüre der den jeweiligen Klassenstufen angepassten Texte und Bücher bildet einen passiven und aktiven Wortschatz.

Das Schreiben der englischen Sprache wird geübt durch das Abschreiben schon bekannter Texte sowie selbstständig verfasster kurzer Texte, durch Diktate unveränderter, später leicht veränderter und freier Texte aus gut erarbeiteten Lesestücken und durch Buchstabierübungen und Wortspiele mithilfe des englischen Alphabets.

Diese drei Jahrgangsstufen führen nicht nur von der Mittelstufe zur Oberstufe, sondern stellen auch den Übergang vom Spracherlebnis im Gefühlsbereich zum mehr gedanklichen Umgang mit der fremden Sprache dar. Dies gilt besonders für das neunte Schuljahr, in dem entwicklungsbedingt mit der Förderung der Urteilsbildung begonnen werden kann. Dementsprechend spiegelt die Auswahl der Lektüre diese Entwicklung, aber auch die Art des Lesens. Ab dem 7. Schuljahr kann man mit dem extensiven Lesen anfangen. Eine zunehmende Selbstständigkeit im Lernverhalten und die Bildung eigener Interessen ermöglichen die Einführung von Kurzreferaten bzw. Präsentationen in den achten und neunten Schuljahren. 

Im Laufe des neunten Schuljahres findet man bei vielen Schüler:innen ein starkes Interesse an grammatischen Themen und für die Ausdrucksformen, die sie ermöglichen. Die bisher behandelte Grammatik kann mit viel Humor geübt und gefestigt werden, während noch unbehandelte Phänomene bei Bedarf eingeführt werden können. Die Auseinandersetzung mit grammatischen Phänomenen der Fremdsprache kann eine Hilfe zur Reife und Selbstbildung der Schüler:innen sein. […]

Steiner machte keine spezifischen Angaben für die Fremdsprachenmethodik in der Oberstufe, außer dass die Lehrer:innen ihre Methoden regelmäßig verändern sollten, damit keine Routine entsteht, die einen schöpferischen Lernprozess behindert. Gleichzeitig erscheint es sinnvoll, die Arbeitsphasen an einzelnen Aufgaben zu verlängern, damit ein wirkliches Eintauchen in die Thematik möglich ist. Um die Schüler:innen beim Übergang in die Oberstufe zu unterstützen, sollen in ihnen vor allem das Weltinteresse und die Begeisterung für Menschen mit großen Idealen geweckt werden. […]

Am Ende ihrer Waldorfschulzeit stehen die 18-jährigen Menschen so in der Welt, dass sie sich mit ihrer Gegenwart sowohl intensiv als auch differenziert auseinandersetzen können und wollen. Für den Fremdsprachenunterricht steht die Vielfalt der englischsprachigen Gegenwartsliteratur sowie der Sachtexte, die sich mit den Herausforderungen und Chancen der heutigen globalisierten Welt auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzen, zur Auswahl. Gerade dem Englischen als führender Weltsprache kommt in diesem Zusammenhang eine herausragende Bedeutung zu. […]

Die drei oberen Jahrgänge bieten sich für den Exkurs in andere Fachbereiche in Form von Content and Language Integrated Learning (CLIL) an. So könnte man einige Interessenbereiche der Schüler:innen oder Themen, die im sonstigen Lehrplan nur wenig behandelt werden, in englischer Sprache aufgreifen. Allgemein sind viele junge Menschen heutzutage an Themen, wie Gender, Identität und Ethnizität interessiert. Die Auswahl passender Texte, Literatur oder Filmmaterialien ermöglicht z.B. eine Auseinandersetzung mit postkolonialen Themen. Die Behandlung klassischer Literatur aus der Vergangenheit (z.B. Shakespeare) könnte in Bezug auf solche gesellschaftspolitischen Themen stattfinden.