Gartenbau
In der Unter- und Mittelstufe
Im Gartenbau greifen wir die momentane soziale Entwicklung der Schüler:innen auf und suchen immer wieder Wege, diese in den Gesamtkontext und fächerübergreifend zu gestalten. Inmitten der Natur lernen Schüler:innen nicht nur den verantwortungsvollen Umgang mit Erde, Pflanzen und Tieren, sie erleben zugleich den Rhythmus der Jahreszeiten, die Bedeutung nachhaltigen Wirtschaftens und die Freude am eigenen Tun in der gesamten Gruppe.
Dabei geht es nicht primär um Wissensvermittlung im klassischen Sinn, sondern um Bildung im umfassenden Sinne: Die Kinder säen, pflegen, ernten und verarbeiten, und entwickeln dabei Achtung vor der Natur, Ausdauer, Teamfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Der Schulgarten wird so zu einem pädagogischen Raum, in dem praktische, soziale und auch intellektuelle Fähigkeit gefördert werden.
Die ersten Berührungen mit dem Fach Gartenbau erhalten die Schüler: innenin der dritten Klasse, in der Ackerbauepoche.
Hier wird, mit dem Jahresverlauf, der Pflege und der anschließenden Ernte, die Mühen aber auch die Kostbarkeit der Natur mit dem eigenen Schaffen erfahren.
Ab der fünften bis zur achten Klasse warten neue Herausforderungen auf die Schüler:innen. Nun haben sie regelmäßig Gartenbau. In Berücksichtigung der Sozialentwicklung von einzelnen bis hin zu Gruppen, versuchen wir einen Resonanzraum zu schaffen der Selbsterziehung ermöglicht. Hierin besteht auch die Kernaufgabe des Gartenbaus. Die Natur unterstützt uns hierbei tatkräftig wie niemand anderes, indem sie uns aufzeigt, was alles getan werden muss, damit weitere Entwicklung geschehen kann.
Die Anforderungen liegen hierbei, von der Bewirtschaftung eines eigenen Beetstückes, zu Teambeeten, hin zu Gruppenbeeten und der Pflege des Gartenbaugeländes. Dabei werden auch ökologische, ökonomische und ethische Fragen thematisiert, die helfen sollen, das jungen Menschen ihren Platz in der Welt mit Verantwortung ergreifen können.
Gartenbau in der Oberstufe
– Natur verstehen, Zukunft gestalten
Mit dem Eintritt in die Oberstufe gewinnt der Gartenbauunterricht an Tiefe und Bewusstheit. Während in der Unter- und Mittelstufe das praktische Tun im Zentrum stand und das Erleben der Naturkräfte das seelische Fundament bildete, tritt nun die reflektierende Auseinandersetzung mit sozialen, ökologischen und kulturellen Zusammenhängen stärker in den Vordergrund. Die jungen Heranwachsenden begegnen den Fragen der Zeit: Wie wollen wir künftig mit Lebensmitteln umgehen? Welche Verantwortung tragen wir für Boden, Pflanzen, Tiere und Mitmenschen? Und wie können wir eine zukunftsfähige Landwirtschaft mitgestalten?
Die praktische Arbeit im Garten wird zum Erfahrungsfeld für übergreifende Lernprozesse. In Auseinandersetzung mit biologischen Grundlagen, etwa der vegetativen Vermehrung, der Bodenökologie und der Kompostierung, entstehen lebendige Bezüge zu den sonst gerne theoretischen Fächern.
Hinzu treten geographische, gesellschaftspolitische und gestalterisch-künstlerische Fragestellungen. Somit wird der Gartenbauunterricht zu einem Ort der Verknüpfung von Naturwissenschaft, Wirtschaftslehre, Sozialkunde, Geographie und Kunst.
Der Gartenbauunterricht in der Oberstufe wirkt somit als integratives Lernfeld, in dem praktische, soziale und geistige Fähigkeiten miteinander verwoben werden. Die Schüler:innen emanzipieren sich aus der reinen Ausführung hin zur verantwortungsvollen Mitgestaltung. Durch das Wiederanknüpfen an die Erfahrungen aus der Mittelstufe werden reale Bezugspunkte lebendig, die nun mit erweitertem Verständnis neu gefasst werden können. So wird der Garten nicht nur zum Lern-, sondern auch zum Lebensraum, ein Ort, an dem sich Zukunft entwickelt.